Montag, 14.08.2006 - 15:47 Uhr

Faszination Inselkampf

Was bringt Tausende deutscher Schüler dazu, ungeduldig auf ihrem Sitz herumzurutschen und die Uhr nicht aus den Augen zu lassen? Ja wie kommt es, dass selbst Geschäftsleute Meetings vorzeitig verlassen, um „noch schnell was zu bauen“?

Die Antwort ist einfach und doch kompliziert. Inselkampf, ein Multiplayer-Online-Spiel, findet immer mehr Anhänger im deutschen Sprachraum. Die Regeln sind schnell erklärt: Jedem neuen User wird eine rudimentär bestückte Insel zugewiesen, die er so gut wie möglich ausbauen und verteidigen muss. Dazu gilt es, im Verlauf des Spiels eine mächtige Armee auszubilden und eine schlagkräftige Flotte aufzubauen, um weitere Inseln kolonisieren zu können. Ein handelsübliches Strategiespiel-Konzept also, das sich in dieser Form in dutzenden käuflich zu erwerbenden PC-Titeln (Age of Empires, Anno 1504 etc.) wieder findet.

Inselkampf Benutzeroberfläche

Nun muss man zu bedenken geben, dass die Benutzeroberfläche des Spiels kaum spartanischer ausfallen könnte, auf jegliche Grafik (eine Übersichtskarte ausgenommen) verzichtet wird und sich der gesamte Spielablauf in reinen Zahlen darstellt. So macht sich der Bau eines imposanten Kriegsschiffes nur durch einen ablaufenden Count-down bemerkbar. Eine neu ausgebildete Armeeeinheit stockt den angezeigten Wert um eine Einheit auf. Und ein Angriff auf eine benachbarte Insel wird lediglich mit einem Bericht quittiert, in dem etwaige Gewinne oder Verluste trocken aufgeführt sind. Dennoch findet dieses Spiel gerade unter den 12-18 Jährigen immer mehr Zuspruch, der Altersgruppe also, die sich sonst gegenseitig die virtuellen Köpfe in den vieldiskutierten Ego-Shootern mit Leidenschaft durchlöchert. Was macht also die wachsende Faszination des Inselkampfes aus?

Inselkampf Benutzeroberfläche

Zum einen ist es sicherlich der taktische Aspekt, auf den das Spiel (zwangsweise) reduziert ist: Möchte man sich auf den Ausbau einer Flotte und das Plündern der Nachbarinseln konzentrieren oder lieber zunächst eine ausreichende Rohstoffversorgung sicherstellen? Ist man ein offensiver Typ, der gerne ein Risiko eingeht und auch wenig aussichtsreiche Schlachten schlägt? Oder spielt man eher defensiv und stattet die eigene Insel mit hohen Mauern und Wachtürmen aus?

Andere Spieler wiederum – und da möchte ich mich nicht gänzlich ausnehmen – werden vom schnöden Mammon angetrieben. Inselkampf hat nämlich mittlerweile einen derartigen Stellenwert in der Online-Spielgemeinschaft eingenommen, dass die entstandenen Inseln nicht nur für den Besitzer rein ideellen Wert haben, sondern sich auch tatsächlich versilbern lassen: Eine aktuelle Suchanfrage beim Online-Auktionshaus eBay mit dem Stichwort „Inselkampf“ liefert 31 Treffer. Dabei gehen gut ausgebaute Inseln für bis zu 100 € über die virtuelle Ladentheke.

Nicht zuletzt spielt aber auch die Interaktion mit den Inselmitstreitern eine wichtige Rolle. Inselbesitzer schließen sich zu Allianzen zu sammeln, die wiederum Bündnisse mit anderen Allianzen eingehen. Bei Rohstoffmangel oder feindlichen Angriffen hilft man sich gegenseitig und schickt großzügig die ein oder andere Fuhre Gold bzw. Kriegsschiffe.

Die Anmeldung ist kostenlos. Worauf wartest du also noch? :-)

Gepostet in: entdeckungen

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